Euclid Tsaklotos zu Kontroversen in der griechischen Linken

Im deutschen Sprachraum wird die öffentliche Meinung über SYRIZA und die Politik der linken Regierung des am wirtschaftlichen Abgrund stehenden Griechenland recht einseitig von einer neoliberal dominierten Medienlandschaft geprägt. Von welchen Visionen und Zielen die SYRIZA ihr Handeln ableitet, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Es ist sicherlich nicht unberechenbar und unlogisch, wie uns die Lobby der Hochfinanz weiszumachen versucht. Hier geht´s zu einem Text, den der neue griechische Finanzminister EUCLID TSAKLOTOS 2013 geschrieben hat. Durch die Lektüre ist mir noch klarer, als zuvor, warum die Profiteure des Status Quo die griechische Regierung dermaßen vehement bekämpfen. Ich jedenfalls wünsche ihr viel Erfolg und internationale Solidarität!

Es handelt sich um einen anspruchsvollen Artikel, der bereits vor zwei Jahren geschrieben wurde und es wert ist vom Anfang bis zum Ende gelesen zu werden. Gerne hätte ich den Text zusammengefasst, aber das ist mir nicht möglich, ohne wesentliche Informationen zu unterschlagen. Daher meine Bitte, auf den Link klicken und lesen. Zur Motivation einige Schlaglichter:

…Die Linke in Griechenland begreift sehr wohl, dass dem deutschen Kapital vor allem am Erhalt des Euro als einer harten und verlässlichen Währung gelegen ist, als eine Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung der Rahmenbedingungen für eine weitere Kapitalakkumulation…

…Es ist bis heute ungeklärt, wie es einer Volkswirtschaft, zudem wenn sie so klein ist wie die griechische, überhaupt gelingen soll, es allein mit den Finanzmärkten aufzunehmen…Will man die Aushöhlung der Demokratie aufhalten und umkehren, wird man nicht darum herumkommen, sich auf ein gemeinsames «europäisches Volk» zu beziehen…

…Ist die Linke jedoch darauf aus, die Hegemonie in unseren Gesellschaften tatsächlich zurückzuerobern, muss sie beweisen, dass sie nicht nur verbal für andere Dinge als die herrschenden Eliten eintritt, sondern auch anders handelt. Am Ende läuft daher alles auf die Frage hinaus, wer die Subjekte und Träger des gesellschaftlichen Wandels sein werden. Wir täten gut daran, die verschiedenen Solidaritätsinitiativen und Aktivitäten zum Aufbau einer sozialen Ökonomie als Praxen und Handlungsansätze zu begreifen, in denen ein erhebliches Potenzial an Radikalität steckt. Zum einen sind sie eine unmittelbare Reaktion auf die unbefriedigten Bedürfnisse derjenigen, die am unteren Ende der Gesellschaft stehen und die am stärksten unter den neoliberalen Krisenbewältigungsstrategien zu leiden haben. Zum anderen kreieren sie «Strukturen der Transformation», die es den Menschen ermöglichen, den Wert von Solidarität in der Praxis kennenzulernen und die Erfahrung zu machen, dass man mit Politik in einem weit gefassten Sinne tatsächlich etwas bewegen kann. Sicherlich gibt es viele Gründe, warum Menschen ihre Haltung ändern, diese haben hauptsächlich mit ihren materiellen Umständen und der Reflexion ideologischer Positionen zu tun. Aber praktisches Handeln, das im unmittelbaren Gegensatz zu dominanten kapitalistischen Normen und Vorgaben steht, kann eine große Ausstrahlung und Wirkkraft entfalten. Daher sollte die Linke wirklich ernsthafter als bisher über die Rolle alternativer Praxen nachdenken…

Zum Grexit: …Aber dass man eine Strategie, die zumindest im Anfangsstadium von einer Währungsabwertung abhängig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu steigern, als eine Übung im Internationalismus verkauft, ist nicht wirklich überzeugend. Darüber hinaus verschwindet hinter der Konzentration auf die nationale Wirtschaft der Aspekt, dass es eigentlich ein integraler Bestandteil jeglicher linker Strategie sein müsste, die Arbeiterbewegungen so zusammenzuführen und zu stärken, dass sie überall in der Lage sind, den Kampf gegen den Klassenfeind aufzunehmen…

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