Arbeitslosenzahlen für den Wahlkampf

SpanienFlaggeNoch heuer finden in Spanien Parlamentswahlen statt. Da kommen dem konservativen Ministerpräsidenten Rajoy, der die neoliberale Austeritätspolitik von IWF und EU willfährig exekutiert, gute Arbeitsmarktdaten sehr gelegen. Ein lesenswerter Artikel im Standard entzaubert das Jobwunder aber rasch.

AlmosenIm Jahresvergleich wurden in Spanien zwar 500.000 zusätzliche Jobs geschaffen, allerdings handelt es sich großteils nur um Teilzeit- und befristete Verträge im Dienstleistungssektor. Die Arbeit wurde kaum mehr, sondern in erster Linie auf mehr Erwerbstätige aufgeteilt. Das ist leider nicht die Erfüllung der sozialdemokratischen Forderung nach gerechter Verteilung der Arbeit, weil sie ohne Lohnausgleich erfolgt – working poor.

Der Staat selbst ist Vorreiter dieser Taktik. So wurden im öffentlichen Dienst bei Polizei und Lehrpersonal knapp 75.000 neue Teilzeitstellen geschaffen. Die Gewerkschaft beklagt im Gegenzug die Abschaffung von Vollzeitstellen.

Auch für Jugendliche wurden 73000 neue Jobs geschaffen. Ein Zynismus, wenn man sich ansieht, welche. 70000 davon sind – oft unbezahlte – Praktika. Nicht selten übernehmen die Praktikanten jedoch Aufgaben von Angestellten, für bestenfalls etwa 300 Euro im Monat bei sechsstündigen Arbeitstagen. Dennoch liegt die Jugendarbeitslosigkeit immer noch bei knapp 50%.

Wie der IWF im Bund mit der neoliberalen Führung der EU den Arbeitsmarkt und Mindestlöhne beeinflusst, legt Michael Mesch im blog.arbeit-wirtschaft.at dar.

Wenn das Volk sich nicht blenden lässt, sollten die bejubelten Arbeitsmarktzahlen für Rajoy kaum eine Wahlhilfe sein. Doch da hat die Troika mit dem Abschmettern sämtlicher Vorschläge der linken griechischen Regierung und ihrer Machtdemonstration gegenüber diesem verschuldeten Land bereits ganze Arbeit geleistet. Die Umfragewerte der linken spanischen Podemos sind im freien Fall.

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